{"id":683,"date":"2021-04-14T13:30:25","date_gmt":"2021-04-14T11:30:25","guid":{"rendered":"https:\/\/thuenengesellschaft.h18566.web142.dogado.net\/?page_id=683"},"modified":"2021-09-14T09:31:20","modified_gmt":"2021-09-14T07:31:20","slug":"sozialreformer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.thuenen.info\/?page_id=683","title":{"rendered":"Sozialreformer"},"content":{"rendered":"\n<p>Johann Heinrich von Th\u00fcnen besch\u00e4ftigte sich schon in den 1820er Jahren mit sozialen Themen. Die L\u00f6sung der \u201esozialen Frage\u201c bedeutete f\u00fcr ihn u.a. die <strong>Schaffung einer menschenw\u00fcrdigen Lebensgrundlage<\/strong> f\u00fcr die zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Klasse, die der Arbeiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Th\u00fcnen entwickelte bereits 1826 eine Formel f\u00fcr den <strong>\u201enaturgem\u00e4\u00dfen Arbeitslohn\u201c, der sich marktwirtschaftlich ergeben kann, wenn der Boden noch frei verf\u00fcgbar ist und Arbeiter mit ihrer Arbeitskraft selbst Kapital schaffen bzw. den \u00fcber die Subsistenzbed\u00fcrfnisse hinausgehenden Lohnanteil zinsbringend anlegen k\u00f6nnen<\/strong>. Die Formel bestimmt diesen \u201enaturgem\u00e4\u00dfen Arbeitslohn\u201c als Wurzel aus dem Existenzminimum und dem Arbeitsprodukt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/thuenengesellschaft.h18566.web142.dogado.net\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/lohnformel.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-947\" width=\"133\" height=\"54\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p> a = Subsistenzlohn, p = Durchschnittsproduktivit\u00e4t der Arbeit<\/p>\n\n\n\n<p>Da der Boden unter damaligen mitteleurop\u00e4ischen Verh\u00e4ltnissen allerdings knapp und teuer war, sah Th\u00fcnen in der Verringerung des Bev\u00f6lkerungszuwachses und in einer humankapitaltheoretisch begr\u00fcndeten Erh\u00f6hung der Produktivit\u00e4t der Lohnarbeiter durch bessere Bildung den gesellschaftspolitisch erfolgversprechendsten Weg, um die Einkommen der Arbeiterklasse nachhaltig zu erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p>Th\u00fcnen setzte sich f\u00fcr die <strong>Verbesserung der Lebensbedingungen<\/strong> der Tellower Gutsarbeiter ein. Dazu geh\u00f6rten bessere Wohnverh\u00e4ltnisse, eine leistungsorientierte Entlohnung, die Festsetzung eines Preismaximums f\u00fcr den Zukauf von Brotgetreide von der Gutswirtschaft und die strikte Einhaltung von Arbeitszeiten durch verl\u00e4ssliche Uhren.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Th\u00fcnen war das \u201eFortschreiten im Wissen und die damit verbundene Entwicklung seiner F\u00e4higkeiten\u201c die eigentliche \u201eBestimmung des Menschen\u201c. Seiner \u00dcberzeugung nach geh\u00f6re es zu den Aufgaben des Staates, die Voraussetzungen f\u00fcr eine <strong>gute Schulbildung<\/strong> zu schaffen. Er lie\u00df dennoch aus eigenem Antrieb einen Dorfschullehrer ausbilden und er\u00f6ffnete 1830 in Tellow eine <strong>Volksschule<\/strong>. Er wollte neben der materiellen auch die geistige Armut beseitigen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"727\" src=\"https:\/\/thuenengesellschaft.h18566.web142.dogado.net\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/sozialwissenschaftler.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1480\" srcset=\"https:\/\/www.thuenen.info\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/sozialwissenschaftler.jpg 1000w, https:\/\/www.thuenen.info\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/sozialwissenschaftler-300x218.jpg 300w, https:\/\/www.thuenen.info\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/sozialwissenschaftler-768x558.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>\u201e\u00dcberreichung des Ehrenb\u00fcrgerrechts an Dr. von Th\u00fcnen am 11ten Juni 1848\u201c \u2013 Stich von G. R\u00fcckert aus der Teterower B\u00fcrger-Zeitung, 11.6.1848.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Tellower Gutsarbeiter f\u00fchrte Th\u00fcnen im Revolutionsjahr 1848 eine an seiner Lohnformel orientierte \u201e<strong>Gewinnbeteiligung\u201c<\/strong> ein. Die Pensionsfonds standen dem Inhaber vom 60. Lebensjahr an zur Sicherstellung seiner Altersversorgung zur Verf\u00fcgung. Die Tellower Gewinnbeteiligung hatte bis 1896 Bestand.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Gutsherrn und \u00f6konomischen Analytiker Th\u00fcnen standen Reinertrags- bzw. <strong>Gewinnmaximierung <\/strong>unter Nutzung der Marktkr\u00e4fte im Vordergrund. Als Sozialreformer war er sich der Grenzen freier M\u00e4rkte bei historisch gewachsenen Strukturen, sehr ungleichen Bildungs- und Verm\u00f6gensverh\u00e4ltnissen bewusst. Deswegen schlug er sowohl als staatlicher Berater, als auch auf seinem Gut gemeinwohlf\u00f6rdernde Ma\u00dfnahmen und Eingriffe vor und setzte sie um. Sein Humanismus und sein geniales wissenschaftliches Werk bildeten eine untrennbare Einheit.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>\u201eWenn der Arbeiter, der w\u00e4hrend der Dauer seiner Kraft und Gesundheit mit aller Anstrengung gearbeitet und sparsam gelebt, nicht soviel erwerben kann, um in seinem Alter vor Not gesch\u00fctzt zu sein, sondern der Armenkasse oder seinen selbst d\u00fcrftigen Kindern zur Last fallen muss: so k\u00f6nnen wir nicht leugnen, dass dieser Zustand ein ungerechter und unnat\u00fcrlicher ist.\u201c<\/em><\/p><cite>Johann Heinrich von Th\u00fcnen, 1850<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johann Heinrich von Th\u00fcnen besch\u00e4ftigte sich schon in den 1820er Jahren mit sozialen Themen. 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